Viele Einzelhändler:innen und E-Commerce-Unternehmen erreichen irgendwann denselben Punkt: Der Umsatz wächst, aber Systeme, Kanäle und Prozesse entwickeln sich getrennt voneinander. Wäre es da nicht gut, Onlineshop, Filialen, Warenwirtschaft und Kundenservice verbinden zu können?
Genau dafür sorgt Unified Commerce. Mit diesem Ansatz werden alle Backend-Prozesse rund um Verkaufs- und Kommunikationskanäle, Bestände, Auftragsabwicklung und Kundendaten in einer zentralen Plattform vereint. Für Kund:innen entsteht so ein nahtloses, kanalübergreifendes Einkaufserlebnis – offline im Laden, genauso wie online im Shop. Welche Ansätze in der Praxis funktionieren, erfährst du in diesem Beitrag.
Was sind Beispiele für Unified Commerce?
Ein typisches Beispiel für Unified Commerce ist Click-and-Collect: Jemand bestellt online, holt die Ware aber selbst im stationären Geschäft ab. Ein weiteres Beispiel ist die Vernetzung von Beständen – wenn ein Store-Team einen nicht verfügbaren Artikel vor Ort verkauft, kann dieser direkt aus einem anderen Lager oder Store versendet werden.
1. Online kaufen und im Geschäft abholen
Das bekannteste Beispiel für Unified Commerce ist Click-and-Collect, auch BOPIS – Buy Online, Pick Up In Store – genannt. Kund:innen bestellen online, wählen beim Checkout eine Filiale aus und holen die Ware dann dort ab, sobald die Bestellung bereitliegt.
Für ein reibungsloses Erlebnis müssen dafür Onlineshop, Filialbestand und Auftragsverwaltung in einem gemeinsamen System zusammenlaufen. Kund:innen sehen direkt, ob ein Produkt lokal verfügbar ist, erhalten nach der Vorbereitung eine Nachricht und können die Ware ohne lange Wartezeit abholen. So sparen Kund:innen Versandzeit, während du als Händler:in die Versandkosten sparst und mehr Laufkundschaft in deine Stores bringst.
Ein funktionales Beispiel dafür bietet Offbeat Bikes. Das US-amerikanische Cargo-Bike- & E-Bike-Unternehmen ermöglicht Testfahrten vor Ort, die bequem zuvor online gebucht und geplant werden können. Offbeat Bikes ersetzte getrennte Systeme für E-Commerce und stationären Verkauf durch Shopify. Dadurch konnte Click & Collect eingeführt, der Verwaltungsaufwand bei Beständen reduziert und das Einkaufserlebnis über beide Kanäle hinweg verbessert werden.
2. Online kaufen und im Geschäft zurückgeben
Als Ergänzung zu BOPIS gilt BORIS: Buy Online, Return In Store. Kund:innen kaufen also im Onlineshop, können die Artikel aber später bequem in einer Filiale zurückgeben – ohne klassischen Rückversand mit Verpackung, Etikett und Wartezeit. Das kann die Kundenbindung signifikant verbessern. Auch hier wird der Prozess für Händler:innen vor allem dann effizient, wenn Store-Team, Bestelldaten, Zahlungsinformationen und Lagerbestand in einer gemeinsamen Struktur gebündelt werden können.
Ein Praxisbeispiel hierfür ist Faherty aus den USA: Die Bekleidungsmarke ermöglicht Rückgaben in ihren Filialen an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Vor dem Wechsel zu Shopify arbeitete man mit einer fragmentierten Commerce-Struktur. Der Return-in-store-Prozess brach dabei immer wieder auseinander: Rückerstattungen wurden nicht zuverlässig zurück ins System synchronisiert, und Store-Teams hatten nicht genug Sicht auf Onlinebestellungen. Shopify bot Faherty die Möglichkeit zur Vereinheitlichung – Mitarbeitende können nun sehen, was im System tatsächlich passiert, und Kund:innen erhalten ihre Erstattung schneller. Das Store-Team muss nicht mehr zwischen getrennten Tools wechseln oder manuell nach Bestellungen suchen. Stattdessen greifen dieselben Daten für Bestellung, Zahlung, Rückgabe und Lagerbestand ineinander.
3. Im Store beraten, aber aus einem anderen Lager versenden
Der Verkauf muss nicht daran scheitern, dass ein Produkt in einer bestimmten Filiale gerade nicht mehr in der richtigen Größe, Farbe oder Variante verfügbar ist. Unified-Commerce-Software ermöglicht es, Kund:innen im Store zu beraten, sie Produkte erleben zu lassen und direkt Fragen zu klären. Wenn diese dann eine Kaufentscheidung treffen, auch wenn der gewünschte Artikel vor Ort nicht mehr auf Lager ist, wird die Bestellung direkt im Geschäft abgeschlossen und anschließend aus einem anderen Lager oder Standort versendet.
So verbindet Unified Commerce persönliche Beratung mit der Flexibilität zentraler Bestände. Das Einkaufserlebnis bleibt nahtlos, obwohl Beratung, Bezahlung und Fulfillment nicht am selben Ort stattfinden.
Ryzon zeigt, wie es geht: Die deutsche Triathlon-Marke startete als Onlineshop auf Shopify, eröffnete später einen Flagship-Store in Köln und nutzt Shopify POS auch auf Sportmessen. Wenn Produkte in einem Store knapp werden, kann das Team direkt aus dem Lager nachbestellen und verfolgen, wie Bestand zwischen Standorten verschoben wird. Ist ein Produkt vor Ort ausverkauft, nutzt Ryzon die Fulfillment-Option „An Kunden versenden“, um den Verkauf trotzdem im Store abzuschließen und das Produkt direkt vom Lager an Kund:innen zu schicken – so hat Ryzon es geschafft, die Conversion-Rate im Store um über 40 % zu steigern.
In diesem Video (auf Englisch) zeigen wir dir, wie du mit Shopify ein POS-System einrichtest:
4. Im Store die Online-Kaufhistorie nutzen
Besonders wertvoll wird Unified Commerce dann, wenn Kund:innen im Store nicht bei null anfangen müssen. Statt jeden Besuch wie einen isolierten Kontakt zu behandeln, greifst du als Händler:in auf ein gemeinsames Kundenbild zu: frühere Online-Bestellungen, Präferenzen, wiederkehrende Käufe oder genutzte Vorteile aus anderen Kanälen (z.B. Social Media). Dadurch wird Beratung relevanter, persönlicher und effizienter. Mitarbeitende können schneller einordnen, welche Produkte bereits gekauft wurden, welche Routinen sich abzeichnen und welche Empfehlungen wirklich zum bisherigen Verhalten passen – genau das unterscheidet Unified Commerce vom klassischen Nebeneinander einer Multichannel-Strategie. Dabei wird nicht nur der Verkauf, sondern auch die Kundenbeziehung zentral gedacht.
Die Wiener Apotheke Saint Charles hat mit der Vernetzung durch Shopify Plus geschafft, einen Anstieg der wiederkehrenden Kundschaft auf 55 % zu verzeichnen. Mit einem Bonuspunkte-System, das Online-Bestellungen genauso wie Käufe im Store belohnt, gelingt es Saint Charles, ein konsistentes Einkaufserlebnis im Bereich Naturkosmetik, Aromatherapie und funktionelle Kräuterprodukte zu bieten.
5. Verfügbarkeiten online in Echtzeit anzeigen
Für Kund:innen ist kaum etwas frustrierender, als ein Produkt online als verfügbar zu sehen und dann im Laden oder nach dem Checkout festzustellen, dass es doch nicht mehr lieferbar ist. Genau deshalb ist die Anzeige von Verfügbarkeiten in Echtzeit eine zentrale Funktion jeder Unified-Commerce-Plattform. Gemeint ist damit nicht nur eine interne Bestandsführung, sondern ein System, in dem dieselbe Bestandslogik kanalübergreifend funktioniert: Onlineshop, Filialen und operative Teams arbeiten auf derselben Datenbasis. Shopify beschreibt Unified Commerce genau in diesem Sinn als Handelsmodell, bei dem Shops und Vertriebskanäle auf einer gemeinsamen Grundlage zusammenlaufen.
Der Nutzen für dein Unternehmen ist dabei unmittelbar spürbar: Wenn Verfügbarkeiten online aktuell und verlässlich sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit für Fehlkäufe, abgebrochene Bestellungen und enttäuschte Store-Besuche. Gleichzeitig kannst du Services wie kanalübergreifende Fulfillment-Prozesse überhaupt erst sauber abbilden.
6. Loyalty, Store Credit und kanalübergreifende Vorteile nutzen
Unified Commerce endet nicht beim Kauf. Besonders sichtbar wird der Ansatz dort, wo Vorteile kanalübergreifend funktionieren: Treueprogramme, Punkte, Guthaben oder exklusive Benefits sind eine gute Möglichkeit, wenn sie nicht an einem einzelnen Touchpoint hängen, sondern Kund:innen kanalübergreifend begleiten. Wer online einkauft, erwartet dieselben Vorteile auch im Store nutzen zu können – und umgekehrt.
Die Getränkemarke waterdrop nutzt dieses Konzept in Perfektion: Mit Microdrinks hat das Unternehmen es geschafft, mehr als 40 Stores von Europa bis Australien zu eröffnen. Dabei schafft waterdrop kanalübergreifende Anreize: Kund:innen können Verpackungen in den Stores zur Wiederverwertung zurückgeben und erhalten dafür Treuepunkte, die sie auf der Website gegen kostenlose Produkte einlösen können. Solche Treueprogramme und Abo-Modelle tragen langfristig zum Wachstum bei und können Upsells nach dem Kauf stärken. Das Beispiel zeigt gut, wie Loyalty in einem Unified-Commerce-Modell nicht als isoliertes Marketing-Add-on funktioniert, sondern als Teil einer gemeinsamen Customer Journey.
7. Pop-up-Stores und Events in dasselbe System einbinden
Unified Commerce zeigt seine Stärke auch dort, wo Handel nicht nur im klassischen Store oder im Onlineshop stattfindet, sondern an temporären Touchpoints: auf Events, Messen oder Pop-up-Flächen. Genau in solchen Situationen wird schnell sichtbar, ob ein Unternehmen wirklich kanalübergreifend arbeitet oder nur zusätzliche Verkaufspunkte improvisiert. Der Unterschied liegt im Backend-System dahinter. Wenn Bestände, Zahlungen, Kundendaten und Verkaufsprozesse auch bei temporären Formaten mit derselben Infrastruktur laufen wie im restlichen Geschäft, entsteht ein konsistentes Markenerlebnis.
Auch hierfür zeigen Ryzon und waterdrop, wie Shopify POS Unified Commerce in temporären Events möglich macht: Pop-up-Events und Expos können sogar noch am Veranstaltungstag digital eingerichtet und Zahlungen mit dem POS-Terminal reibungslos abgewickelt werden.
Fazit: Unified-Commerce-Strategien sind vielfältig
Wie du siehst, ist der zunächst abstrakt klingende Begriff 'Unified Commerce' durchaus vielfältig und seine Wirkung anhand verschiedener Beispiele belegbar. Die meisten der genannten Marken haben dabei als kleine Onlineshops begonnen und im Laufe der Zeit die Chancen des Zusammenspiels zwischen stationärem Handel und E-Commerce erkannt.
Wenn du also noch überlegst, wie du in deinem Unternehmen lokale Vertriebsmöglichkeiten und deinen Onlineshop unter einen Hut bekommst, bieten dir diese Unified-Commerce-Pioniere erfolgversprechende Inspirationen.





